Was 1989 vor allem noch als Grundsätze des innerverbandlichen Umgangs miteinander formuliert wurde, sollte 30 Jahre später zum gesellschaftspolitischen Ideal und zum politischen Statement werden.

30 Jahre Grundsätze Paritätischer Verbandspolitik

Von links nach rechts: Prof. Dr. Gerhard Englert, Prof. Dr. Marianne Grewe-Partsch (†), Hauptgeschäftsführer Klaus Dörrie (†), Vorsitzender Prof. Dr. Dieter Sengling (†) © Der Paritätische

Als die Mitgliederversammlung des Paritätischen Gesamtverbandes am 27. Oktober 1989 in Frankfurt am Main nach über 2jähriger Diskussion ihre „Grundsätze der Verbandspolitik“ verabschiedete, war dies nichts wirklich Spektakuläres. Noch konnte keiner ahnen, wie wichtig und hoch politisch dieses Verbandsbekenntnis zu „Vielfalt, Toleranz und Offenheit“ 30 Jahre später einmal sein würden. Niemand konnte ahnen, dass der Gedanke der Gleichwertigkeit aller Menschen - ganz gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welcher Religion, Weltanschauung oder sexuellen Orientierung - einmal wieder so massiv infrage gestellt und so aggressiv attackiert würde wie heute. Was 1989 vor allem noch als Grundsätze des innerverbandlichen Umgangs miteinander formuliert wurde, sollte 30 Jahre später zum gesellschaftspolitischen Ideal und zum politischen Statement werden. In Zeiten, in denen die selbstverständliche Gleichheit aller Menschen in Würde und Ansehen von Rechtsaußen wieder infrage gestellt wird, in Zeiten, in denen Rechtsradikale sich wieder offen positionieren gegen Ausländer, gegen den Islam oder das Judentum, gegen Homosexuelle oder auch gegen behinderte und obdachlose Menschen, werden Vielfalt, Toleranz und Offenheit zum gesellschaftspolitischen Gegenentwurf eines aufkeimenden Rassismus, Intoleranz und neuer Ideologien des Völkischen.

Die vor 30 Jahren verabschiedeten Grundsätze sind aktueller denn je. Sie einen den Verband nach innen und schärfen sein freiheitliches Profil. Sie geben zweifelsfreie Orientierung und Selbstvergewisserung in den Auseinandersetzungen mit jenen, denen aktuell unsere freiheitliche und tolerante Gesellschaft ein Dorn im Auge ist. Sei es die klare, ablehnende Haltung gegen
die AfD oder sei es das mitreißende Engagement für die Unteilbar-Bewegung: Es sind 30 Jahre gelebte Grundsätze des Paritätischen, die den Verband auf Kurs halten, Grundsätze, die in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie so offensichtlich wichtig waren wie heute.

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Portrait von Ulrich Schneider

Ulrich Schneider

Dr. Ulrich Schneider ist Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes mit Sitz in Berlin.

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