Zahlreiche bundesweite Organisationen – darunter viele Paritätische Mitgliedsorganisationen – kritisieren die Bundesregierung in einem offenen Brief für ausbleibende Hilfen für die Ärmsten, die gerade vor dem Hintergrund von Preissteigerungen und der Coronakrise dringend notwendig sind. Sie fordern sofortige Unterstützung für Betroffene.

In dem offenen Brief, der sich an die Bundesregierung richtet, heißt es unter anderem: "Vor dem Hintergrund der für die Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums ohnehin unzureichenden Regelsätze für Kinder, Jugendliche wie Erwachsene, der zusätzlichen Belastungen in der Pandemie sowie hoher Preissteigerungsraten appellieren wir daher dringend an Sie, mit dem Sofortzuschlag für von Armut betroffene Kinder und Corona-Hilfen für alle Grundsicherungsbeziehenden zügig gezielte Hilfen in substanzieller Höhe zu beschließen."

Auch zahlreiche Paritätische Mitgliedsorganisationen unterschrieben den offenen Brief mit dem Appell für Soforthilfen. Stimmen aus unserer Mitgliedschaft:

“Was vorher nicht reichte, reicht jetzt erst recht nicht: Preissteigerungen und Corona verschärfen die Armut von Millionen von Menschen. Die Regelsätze der Grundsicherung müssen darum JETZT angehoben werden.”

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK

“Das Deutsche Kinderhilfswerk hofft auf eine schnelle Umsetzung des von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel angekündigten Sofortzuschlags für arme Familien und ihre Kinder. Dabei wird es darauf ankommen, diesen Sofortzuschlag ausreichend hoch anzusetzen. Der in der Diskussion befindliche Betrag von 25 Euro deckt den tatsächlichen Bedarf von Kindern und Jugendlichen für eine soziokulturelle Teilhabe nicht ab und zeigt mehr als deutlich, dass an dieser Stelle mal wieder Politik nach Kassenlage gemacht wird. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten von Familien ist aber eine echte Verbesserung nötig, insbesondere nach der viel zu geringen Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze zu Beginn dieses Jahres. Wichtig ist auch, dass der Sofortzuschlag auch wirklich alle Kinder erreicht. Hier muss die Bundesregierung liefern.”

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

“Kinderarmut hat zu viele Gesichter. An erster Stelle steht aber die finanzielle Grundversorgung – Die Pandemie zeigt die verschärften Ungleichheiten deutlich auf. Diese Ungleichheiten begleiten Kinder bis ins Erwachsenenalter und führen zu Benachteiligungen und weniger Chancen auf echte gesellschaftliche Teilhabe. Im neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetz wurde das Ziel einer selbstbestimmten Persönlichkeit verankert. Die Bundesregierung muss deshalb ihre Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag sofort umsetzen: Ein Sofortzuschlag bekämpft Kinderarmut und ist ein erster Schritt hin zu einer Kindergrundsicherung. Besonders wichtig ist es, die verletzlichsten Familien direkt aus der Armut zu holen: Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund sind seit Jahren besonders von Armut betroffen, ihnen muss unsere besondere Aufmerksamkeit zukommen.”

Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf

1 Kommentar

Wolfgang Hoffmannschrieb15.02.2022

Es ist eine Schande, wie dieses Zivilisierte Land mit BEDÜRFTIGEN umgeht!!!

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Wiebke Schröder

Wiebke Schröder ist Referentin für zivilgesellschaftliches Engagement und unterstützt im Bereich übergreifende Fachfragen beim Paritätischen Gesamtverband.

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