Die Welt der Kindertagesstätten hat sich mit der Digitalisierung entscheidend verändert. Kita-Apps sind dabei zu wichtigen Werkzeugen geworden, um die Kommunikation zu verbessern und den Alltag in der Kita zu organisieren. Kita-Apps verbreiten sich immer mehr in den frühpädagogischen Einrichtungen. Doch in einer Fülle von Optionen die passende App zu finden, kann eine Herausforderung sein. Beim Digi-Dienstag im August haben wir wertvolle Erfahrungen über die Entwicklung des Marktes sowie Erfahrungen des Referenten sowie der Teilnehmenden zusammengetragen.

Erfahrungen aus der Praxis

Hendrik Lang berichtete von seinen Erfahrungen aus verschiedenen Perspektiven: Praxisnahe Erfahrungen aus einem Pilotprojekt zur Einführung einer Kita-App, strategische Erfahrungen aus der Tätigkeit als Fachreferent zur Kinderförderung und -bildung sowie aus der Erfahrung mit verschiedenen Kitas aus Sicht der #WiLa Digitalisierungsberatung.

Der Markt für Kita-Apps hat in den letzten Jahren enorm zugelegt. Neben Kita-Apps, die Kitas in allen Bereichen unterstützen, entstehen derzeit viele regionale Anwendungen, die oft auf praktischen Bedürfnissen vor Ort aufbauen. Neue Unternehmen und Start-ups bringen frischen Wind in den Markt, jedoch wirken diese in Bereichen außerhalb ihrer Kernkompetenz Kita-App häufig unprofessionell. Das reicht von Schreibfehlern auf der Internetpräsenz bis hin zu eklatanten Mängeln im Datenschutz. So breit wie das Spektrum an Kita-Apps ist, so breit ist ebenfalls das Spektrum an zu beachtenden möglichen Mängeln.

Regionale App-Anbieter werben häufig mit ihrer Kompatibilität mit kommunalen Plattformen, ohne zu beachten, dass die Kompatibilität außerhalb der Kommune häufig nicht mehr gegeben ist. DSGVO-Konformität wird in aller Regelmäßigkeit als Aushängeschild vorangestellt, IT-Sicherheit wird dabei jedoch häufig genug nicht ausreichend beachtet.

Diverse App-Funktionen

Kita-Apps können mit ihren vielfältigen Funktionen verschiedene Bereiche des Kita-Alltags unterstützen: Die Kommunikation mit den Familien, Organisation des Kita-Betriebs sowie Alltags, Verwaltung der Kita, Bildungs- und Entwicklungsdokumentation u.v.m. Die Spezialisierung einer App auf einen dieser Bereiche hat den Vorteil, dass die gesamte Expertise in die Entwicklung der Funktionen zur Unterstützung des einen Bereiches fließt, hat jedoch wiederum den Nachteil des Einsatzes mehrerer Apps, sollten mehrere Bereiche mit einer App unterstützt werden.

Der aktuelle Trend bei Kita-Apps deutet an, dass sich neue Kita-Apps nicht mehr auf einen Bereich fokussieren, sondern umfassende Funktionen bereitstellen, die alle Funktionsbereiche abdecken. Eine Einschränkung ist dabei zu beobachten: Pädagogische Schwerpunkte, wie Portfolio-Verwaltung oder Sprachförderung, sind häufig zwar vorhanden, jedoch meist rudimentär.

Marktentwicklung und Zukunftsaussichten

Die rasante Entwicklung des Marktes von Kita-Apps führt zu Veränderungen in der Marktdynamik. Das umfassende Angebot an Kita-Apps führt zu hohem Konkurrenzdruck untereinander. Erste Anzeichen einer möglichen Konsolidierung des Marktes sind bereits zu erkennen, so sind bereits erste Zusammenschlüsse zwischen Kita-Apps zu erkennen, wodurch die Funktionalität sowie die Qualität der verbleibenden Kita-Apps steigen. Der Blick in die Zukunft zeigt großes Potenzial für weiteres Wachstum und Innovationen.

Empfehlungen für die App-Auswahl und -Einführung

Das umfassende Angebot stellt Kitas regelmäßig vor das Problem der richtigen Auswahl. Einige Kriterien können Kitas bei der Auswahl und Einführung der Kita-App unterstützen:

  1. Klare Bedarfsanalyse: Was soll die App können – wobei soll die App unterstützend eingesetzt werden?
  2. Vergleich der Apps: Wählt zwei bis drei Apps aus und vergleicht sie miteinander. Was sind die Kosten, die Funktionen? Wie sind der Kontakt und der Support? Sind Zusatzvereinbarungen mit dem App-Anbieter möglich?
  3. Praktischer Test: Testen Sie die ausgewählte App vor der Entscheidung im realen Einsatz. Ein ausgiebiger Test sollte vor der offiziellen Einführung stattfinden.
  4. Einbindung der Nutzer:innen: Bezieht Betroffene mit ein: Mitarbeiter:innen, Familien, ggf. Betriebsrat. Je transparenter der Prozess ist, je mehr Möglichkeiten es gibt, mögliche Ängste anzusprechen, desto erfolgreicher gelingt die Einführung erfahrungsgemäß.
  5. Kosten und Rahmenbedingungen: Die Lizenzkosten sind i.d.R. nicht die einzigen Kosten, die es zu berücksichtigen gilt. Mögliche Investitionen in die IT-Infrastruktur (WLAN Abdeckung) sowie Hardware (Tablets) sollten vorab geklärt werden.
  6. Datenschutz und Sicherheit: Daten von Kindern sind besonders schützenswert. Sprecht den App-Anbieter auf den Datenschutz an. Wie ist er geregelt? Datenschutzbestimmungen sollten jedoch immer von Fachleuten geprüft werden!
  7. Support: Wie sieht der Support aus? Wie ist er erreichbar? Wird der App-Anbieter die Einführung in den Einrichtungen begleiten?

Ausblick und Schlussgedanken

Der Austausch verdeutlichte, dass die Wahl der richtigen Kita-App eine kluge Abwägung erfordert. Jede Einrichtung hat individuelle Anforderungen, und die App sollte diese bestmöglich unterstützen.

Die Zukunft der Kita-Apps verspricht spannende Entwicklungen, die den Alltag von Kindertagesstätten weiter optimieren können. Es bleibt abzuwarten, wie der Markt weiter wächst und welche innovativen Lösungen entstehen werden. In dieser dynamischen Umgebung lohnt es sich, die Trends genau zu verfolgen und die eigenen Einrichtungen bestmöglich von den Vorteilen der digitalen Welt profitieren zu lassen.


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Portrait von Hendrik Lang

Hendrik Lang

Hendrik Lang ist Fachreferent Kinderförderung und -bildung beim Internationalen Bund (IB) und Co-Gründer von #WiLa – denken.

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