Lisa Breinlinger von der Aktionsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker, ihrer Freunde und Förderer München e. V. (ApK München) und Svenja Hayirli-Kleinz von der Oberbayerischen Initiative der Angehörigen psychisch Kranker (OI) berichten über ihren Podcast „angehören“ und geben Tipps für alle, die selbst einen Podcast starten wollen.

Warum ein Podcast in der Selbsthilfe?

Einige Themen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor stigmatisiert oder tabuisiert – zum Beispiel psychische Erkrankungen. Da kann eine Selbsthilfegruppe für Betroffene der geschützte Raum sein, wo sie sich öffnen und mit anderen austauschen. Manchmal ist auch das familiäre Umfeld, die Angehörigen, teils stark belastet, sozusagen „mitbetroffen“.

Unser Podcast „angehören“ von und für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen setzt genau da an: Über die eigene Situation zu sprechen fällt Angehörigen oft schwer, da ist Zuhören ein erster wichtiger Schritt! Dieses Angebot ist anonym und unabhängig von Raum, Zeit und Ort.

Wie kam es zu eurem Podcast?

Wir haben uns überlegt, wie wir auch jüngere Angehörige und Menschen in ländlichen Gebieten, in denen es weniger Möglichkeiten zur Selbsthilfe gibt, besser erreichen. Ihnen Mut machen und das Gefühl vermitteln können, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind. So entstand dann „während Corona“ in 2020 unser Podcast „angehören“ als Gemeinschaftsprojekt der ApK München e.V. und der Oberbayerischen Initiative.

Mittlerweile können wir stolz sein auf zwei Staffeln und über 3.500 Hörer*innen! Eine 3. Staffel ist für 2022 in Planung. Wir erhalten viele tolle Rückmeldungen, wie gut das Zuhören tut.

Die Folgen sind auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple Podcast etc. zu finden sowie auch auf www.angehoeren-podcast.de.

Für wen ist der angehören-Podcast? Was erwartet die Hörer*innen?

Der Podcast ist für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen und für Alle, die sich dafür interessieren.

Wir sprechen mit Angehörigen, die uns ihre Geschichte erzählen: Eltern, Geschwister, Partner und erwachsene Kinder schildern ihre Erlebnisse und ihren Weg im Umgang mit der Situation. Wir zeigen verschiedene Aspekte der Selbsthilfe wie Besuch und Gründung einer Gruppe oder politische Interessenvertretung und nennen Anlaufstellen zur Beratung. Auch Expert*innen kommen zu Wort. Sie geben Tipps für Selbstfürsorge und zum Umgang mit schwierigen Situationen und belastenden Gefühlen.

Wie habt Ihr angefangen? Welche Tipps habt Ihr?

Wir haben zunächst den Namen und das Logo entwickelt und einen Jingle (Erkennungsmelodie) komponieren lassen. Unsere Gespräche zeichnen wir über die Software Zencastr als .WAV-Dateien auf. Für die Aufnahme haben wir zwei Tischmikrofone von Sudotack. Die fertigen Folgen hosten wir über Podcaster.de. Zum Schneiden der Folgen haben wir Audacity verwendet. Mittlerweile haben wir für die Postproduktion zum Glück externe Unterstützung.

In unserer Erfahrung ist es wichtig, sich für das Gespräch einen roten Faden zu überlegen und mit dem Gesprächspartner zentrale Punkte abzustimmen. Bei sensiblen Themen etwa: Soll der richtige Name genannt werden? Gibt es Themen, die nicht oder unbedingt angesprochen werden sollen? Und dann das Gespräch laufen lassen. Wenn man vorher zu viel abspricht und sich alles aufschreibt hört man das später: Es klingt künstlich und abgelesen. Und dann: Den Mut haben und anfangen. Man kann jederzeit auch nochmal neu aufnehmen.

1 Kommentar

schrieb09.11.2021

Hallo, ich bin begeistert und auch sehr interessiert. Bitte weiter so und ich freue mich über über eine Nachricht. Als Angehörige und Gruppensprecherin nehme ich gerne neue Impulse auf und trage sie weiter.

Kommentar schreiben

Themengebiete

Ähnliche Beiträge