Annika Schäfer und ihre Kolleginnen vom Kompetenzzentrum Freiwilligendienste Rheinland-Pfalz/ Saarland betreiben seit zwei Jahren ihren Podcast “Freiwilligendienste”. Im August bringen sie ihre 50. Folge heraus und haben seit dem Start der Sendung einiges dazugelernt. Dieser Beitrag soll eine Einführung in das Podcasting geben.

Im Rahmen des siebten Digi-Dienstags stellte Annika Schäfer den Podcast „Freiwilligendienste“ vor und gab eine Einführung in das Podcasting. Der Podcast des Kompetenzzentrums Freiwilligendienste Rheinland-Pfalz/ Saarland richtet sich an alle Freiwilligen und die, die es werden möchten. Annika und ihr Team möchten mit dem Podcast den Bekanntheitsgrad des Freiwilligendienstes steigern und das Interesse dafür wecken. Dazu laden sie sich zum einen Freiwillige ein, die von ihren praktischen Erfahrungen berichten. Zum anderen gehen sie mit Expert*innen ins Gespräch, die einen Aspekt des Freiwilligendienstes, wie z.B. Diversität in den Freiwilligendiensten, beleuchten.

Die meisten Freiwilligen sind sehr jung. Sie befinden sich zumeist am Übergang von Schule zur Ausbildung und suchen Orientierung für ihren weiteren Lebensweg. In dem Podcast finden sie Antworten auf viele ihrer Fragen. Z.B. erzählt Luca Kohlmeier in Folge 42, was sie gerne vor ihrem FSJ gewusst hätte. Das Medium Podcast trifft ihr Medienkonsumverhalten, denn sie können die Folgen anhören wann und wo sie möchten.

Annika und Tamara im Podcast-Studio mit Saarbrückener Skyline.

Charakter und Struktur

Der Freiwilligendienste-Podcast ist ein Informations- und Interview-Podcast. Das heißt, dass Annika und ihr Team das Themenspektrum rund um Freiwilligendienste behandeln und sich hierfür auch gerne Gäste zu einem Gespräch einladen. Die Gesprächspartner*innen haben besondere Erfahrungen gemacht und bringen spezifisches Wissens oder persönliche Voraussetzungen mit, von denen sie der Zuhörerschaft berichten. In Folge 43 berichtet Vanessa Krechel-Torres beispielweise, wie es ist als zweifache Mama einen BFD zu absolvieren.

Alle zwei Wochen wird eine neue Folge veröffentlicht, die in der Regel 8-12 Minuten lang ist. Zusätzlich gibt es Sonderfolgen, die an bestimmte Termine und Ereignisse gekoppelt sind. Am 1. Juli 2021 erschien z.B. die Sonderfolge zum 10-jährigen Jubiläum des Bundesfreiwilligendienstes.

Der Freiwilligen-Podcast ist i.d.R. zeitlos konzipiert. Das ist ein großer Vorteil, da das Kompetenzzentrum dauerhaft davon profitiert. Sind die Dateien einmal online, können sie beliebig oft und zu jeder Zeit nachgehört werden. Das Kompetenzzentrum nutzt das Medium somit auch als Wissensdatenbank und verweist Interessierte immer wieder auf einzelne Folgen.

Aus der Erfahrung sprechend, empfiehlt Annika sich einen roten Faden für den Podcast zu überlegen: „Je einfacher die Struktur, desto mehr Spaß macht das Anhören“. So fühlt sich der oder die Hörer*in gut durch die Folge geleitet und regelmäßige Hörer*innen wissen, was sie erwartet.

Das Kompetenzzentrum strukturiert seinen Podcast wie folgt:

  • Der Eingangs-Jingle dient dem Wiedererkennungswert und leitet die Folge ein.
  • Nach der Selbstvorstellung der Sprecherin wird der Gast begrüßt und vorgestellt.
  • Das Interview beginnt mit einer einfachen Einstiegsfrage zum Warmwerden.
  • Dann werden inhaltliche Fragen im Gesprächsformat gestellt. Diese sind zwar vorbereitet, werden aber instinktiv in beliebiger Reihenfolge gestellt, sodass ein Gesprächsfluss entsteht.
  • Den Abschluss bildet ein Ritual, das sich Annika und Co zusammen ausgedacht haben. Am Ende der Folge wird dem Gast noch eine persönliche Sache gefragt, wie: “Bist du eher ein Strand- oder Bergeurlaub-Typ” oder er*sie wird gebeten einen Satz zu vervollständigen: “Als Kind wollte ich schon immer…”

Planung

Bei der Umsetzung des Podcasts hat das Kompetenzzentrum einfach angefangen und sich von der Technik bis zum Konzept learning by doing alles selbst beigebracht.

Annika empfiehlt folgende Dinge vor dem Start zu planen und zu durchdenken

  1. Was ist das Ziel des Podcasts?
  2. Was ist die Zielgruppe und was spricht sie inhaltlich und gestalterisch an?
  3. Wie ist eine Folge aufgebaut?
  4. Wie möchten wir den Podcast im Team umsetzen?
  5. In welchem Rhythmus sollen die Folgen erscheinen?
  6. Wo wird aufgenommen?

Die Folgen werden vorproduziert und dann nachbearbeitet. Für die Nachbearbeitung, also das Schneiden und Hochladen, sollte genügend Zeit eingeplant werden - gerade zu Beginn. Um sich über die anstehenden Aufgaben und die Zeitpläne einen Überblick zu verschaffen, hat das Team aus drei Personen einen Redaktionsplan (Excel) angelegt. In diesem Dokument sind alle Zuständigkeiten und der Status einzelnen Aufgaben vermerkt. Die Folgen werden zwei Monate im Voraus geplant, um z.B. Gäste rechtzeitig anfragen und wichtige Ereignisse mitdenken zu können.

Das Arbeitspensum für die einzelnen Folgen unterscheidet sich zumeist stark. Es gibt aufwendige Nachbearbeitung, zum Beispiel bei vielen Versprechern, die vier bis fünf Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Eine weniger aufwendige Nachbereitung dauert i.d.R. eine bis zweieinhalb Stunden. Anfänger*innen sollten zu Beginn die Einarbeitung in das Schneideprogramm einplanen. Schnell entwickelt sich bei den Bearbeitungsabläufen jedoch eine Routine, sodass man schneller wird. Auch bei der Aufnahme der Folge wird man sicherer. Die anfänglichen Versprecher reduzieren sich und das Mikrofon in der Mitte des Tisches ist nicht mehr so ungewohnt.

Und Action!

Die Aufnahme sollte in einem ruhigen Büroraum stattfinden, während beide Personen nah an dem Mikrofon sitzen. Vor der Aufnahme sollte das Mikrofon getestet und eingestellt werden. Ein geeignetes Mikrofon sorgt hierbei für eine klare Tonaufnahme und bietet, je nach Modell, auch die Möglichkeit Hintergrundgeräusche zu minimieren. Eine Auswahl an Mikrofonen für Innen- und Außenaufnahmen findet sich im Protokoll des Digi-Dienstags.

In Pandemie-Zeiten nehmen Annika und Team den Podcast über die Videokonferenzplattform Zoom auf. Zoom gibt mit der Videoaufnahme immer auch eine Audiospur mit aus. Damit das Interview persönlicher wird, wenn man sich nicht einander gegenübersitzt, bleibt das Video bei der Aufnahme an. Da der Gast nicht im selben Raum ist, muss besonders auf Ton und Hall bei der interviewten Person geachtet werden.

Jingle und Soundeffekte

Beginn und Schluss der Folge können mit einem Jingle angekündigt werden. Dazu gilt es Lizenzen zu erwerben oder GEMAfreie Musik zu nutzen (z.B. über Audiohub). Annika und ihr Team haben selbst einen Jingle für ihren Podcast komponiert. So richtig zufrieden waren sie aber doch nicht und entschieden sich letztendlich einen Jingle zu kaufen. Zudem kann das Einspielen von Soundeffekten Abwechslung in die Aufnahme bringen. Alle Tool-Tipps gibt es im Protokoll des Digi-Dienstags.

Der Schnitt

Das Schneiden der Aufnahme kostet zu Beginn viel Zeit, denn das Tool will erst einmal erlernt werden. Es gibt eine Vielzahl von Tools, sodass jede angehende Podcasterin mit ihren Ansprüchen fündig wird. Das Kompetenzzentrum arbeitet mit dem kostenfreien Tool Audacity und empfiehlt dies auch für Anfänger*innen. Das Tool bietet alle grundlegenden Schnittfunktionen und ist relativ leicht bedienbar. Eine Auflistung von Programmen mit Kostenangaben und Besonderheiten findet sich im Protokoll des Digi-Dienstags.

Den Podcast an die Menschen bringen ...

Das Hosting von Podcast kann eigenständig (Selfhosting) oder über Hosting-Firmen abgewickelt werden. Neben dem Anhören über den Browser auf der eigenen Webseite, wird der Podcast über die gängigen Podcast-Plattformen angeboten. Hosting-Firmen bieten die Möglichkeit einer zeitgesteuerten Veröffentlichung. Auch Laien können Podcasts selbst hosten, wenn die zeitlichen Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. Denn vor allem an Anfang sollte hierfür viel Zeit eingeplant werden. Empfehlungen für Hosting-Firmen finden sich im Protokoll des Digi-Dienstags.

... und wissen wer ihn hört!

Viele Hosting-Anbieter werten den Podcast nach Hörer*innen-Zahl, Downloads und Endgeräten aus. Mit einigen Lizenzen ermittelt das Programm auch wie lange eine Folge gehört wurde und gibt Hinweise auf demografische Daten der Hörerschaft.


Podcasts aus der #WirSindParität-Community

  • Im Podcast "frei will ich!" der Paritätischen Freiwilligendienste Sachsen gGmbH geht Jan Borree mit aktuellen und ehemaligen Freiwilligen ins Gespräch.
  • Im Podcast von Mein Herz Lacht e.V. kommen Eltern von Kindern mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen zu Wort, die von ihren Herausforderungen im Alltag berichten.
  • Die Guttempler betreiben den Podcast "SoberRadio", der Einblick in die Praxis der Sucht-Selbsthilfe und Erfahrungen von Betroffenen gibt.
  • Der Podcast der DCCV informiert über Neuigkeiten und Interessantes über Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und sonstige Themen, die für CED-Betroffene wichtig sind.
  • Im Podcast Relevant & Sozial spricht Sven Reutner vom Paritätischen Baden-Württemberg mit Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis und aus eigener Erfahrung über aktuelle Themen der Sozialen Arbeit sowie der Sozialwirtschaft.
     

Jeder dritte Dienstag ist Digi-Dienstag!

Jeden dritten Dienstag im Monat bietet #GleichImNetz geballtes Digitalisierungswissen: Markiert Euch den Tag gleich schon mal rot-blau in Euren Monatsübersichten. Einen ganzen Tag lang erwarten Euch verschiedenste Informations- und Diskussionsangebote, aus- und angerichtet nach Euren Wünschen. Bei unseren 1 - 1,5 stündigen Veranstaltungshäppchen, verteilt über den ganzen Tag, ist für jede*n was dabei.

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Autor*in

Portrait von Lilly Oesterreich

Lilly Oesterreich

Lilly Oesterreich ist Projektreferentin für Digitale Kommunikation beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Gesamtverband in Berlin. Sie betreut die Paritätische Mitgliederplattform #WirSindParität.

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