Die Pflegeeinrichtung Wohnpark am Rohrpfuhl möchte ökologisch und bezahlbar heizen. Das aktuelle Förderungssystem erschwert ihnen genau das.
Das „Dorf“ in Mahlsdorf ganz im Osten Berlins ist wörtlich zu nehmen. Wenig erinnert hier an die riesigen Hochhaussiedlungen wenige Kilometer weiter, die viele mit dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf verbinden. In Mahlsdorf dominieren Einfamilienhäuser und Grünflächen. Hier könnte man entspannt alt werden.
Das dachte wohl auch die Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord gGmbH, als sie hier vor 20 Jahren den Wohnpark am Rohrpfuhl baute. Die kleinen Häuser mit dem terracottafarbenen Putz und den kleinen Gärten davor erinnern eher an eine Reihenhaussiedlung für Kleinfamilien als an eine Pflegeeinrichtung für Senior*innen. Kunst am Bau rundet die wohnliche Atmosphäre ab.
Im begrünten Hof wartet Volkmar Dornfeld vom Facility Management des Trägers. Vor drei Jahren haben wir uns zum ersten Mal unterhalten, damals in einer anderen Einrichtung, dem Wohnpark am Cecilienplatz in Hellersdorf.
Aktuell treibt ihn etwas um. Während ein 20 Jahre junges Gebäude noch als Neubau zählt, muss die darin verbaute Gasheizung bald erneuert werden. „Wenn eine Anlage zehn Monate im Jahr läuft wie bei uns, kommt sie an ihre Grenzen“, sagt Dornfeld. Einen Kessel habe man bereits erneuern müssen. Erschwerend hinzu kommt die aktuelle Unsicherheit: Wenn man im Wohnpark weiterhin auf Gasbetrieb setzen möchte, steht man als Betreiber einer Einrichtung vor vielen offenen Fragen. Dornfeld: „Vielleicht ist das zukünftig weder rechtlich zulässig noch finanziell leistbar für uns.“ Allein die finanziellen Aufwendungen der nächsten Jahre beziffert er auf „mindestens 50.000 Euro“, die auf die Bewohner*innen umgelegt werden müssten.
Zunächst hoffte Dornfeld auf eine kreative Lösung. Genau gegenüber dem Wohnpark liegt ein großes Rechenzentrum. „Wir haben lange überlegt, ob man die Abwärme, die dort wortwörtlich in die Luft geblasen wird, nicht für uns nutzen könnte“, erklärt er. Das habe sich jedoch als unwirtschaftlich erwiesen, da die Fördermöglichkeiten nicht ausreichten.
Die Suche nach der besten Heizmöglichkeit für das Wohnzentrum geht also weiter. Strombetriebene Heizsysteme bergen große Ausfallrisiken – das wissen die Berliner*innen spätestens seit Jahresbeginn, als tagelang der Strom im Südwesten der Hauptstadt ausfiel. Gerade dort, wo vulnerable Menschen leben, kann das ein besonderes Risiko bedeuten.
Ein weiteres Risiko stellt für Senior*innen nicht nur potenzielle Kälte, sondern auch Hitze dar. Die Klimakrise ist ein zunehmendes Problem für ältere Menschen. Daher wurde der jährliche Hitzeaktionstag ins Leben gerufen, an dem sich auch der Paritätische Gesamtverband mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege beteiligt.
Die Hitzebelastung war bereits Anlass des ersten Treffens mit Herrn Dornfeld in Hellersdorf vor drei Jahren. „In den letzten Jahren hat sich das Thema weiter verschärft“, sagt er. Deshalb führt er Informationsveranstaltungen für Bewohner*innen, An- und Zugehörige und Pflegepersonal durch. Persönlich müssen sich die Senior*innen selbst wappnen, etwa mit Ventilatoren oder dünner Kleidung. Ansonsten ist man im Wohnpark am Rohrpfuhl aufgrund des Gebäudealters in der glücklichen Situation, über zeitgemäß gedämmte Wände und moderne Fenster zu verfügen. Hinzu kommt die Lage: Die Siedlung liegt mitten im Grünen, was durch die Bäume für natürliche Abkühlung sorgt. Anders als die Heizung ist der Hitzeschutz aktuell kein dringliches Thema für Dornfeld in Mahlsdorf.
Derzeit favorisiert Volkmar Dornfeld eine Kombinationslösung aus Gas, Solarenergie und Luftwärme oder sogar ein Blockheizkraftwerk. Bei den Kalkulationen im Wohnpark am Rohrpfuhl gibt es immer einen entscheidenden Faktor: Mit nur 80 Plätzen ist der Wohnpark vergleichsweise klein. Da investive Kosten auf wenig Bewohner umgelegt werden, kann das schnell zu spürbaren Mehrkosten für jeden einzelnen Bewohner führen – zusätzlich zu den ohnehin schon stetig steigenden Pflegekosten. Seine bevorzugte ökologische Lösung, die Abwärme des Rechenzentrums zu beziehen, kommt nicht in Frage – dazu müssten aber die öffentlichen Förderungen spürbar höher sein.
Die vollständige Refinanzierung investiver Kosten muss sichergestellt werden. Um noch weiter steigende Belastungen der Pflegebedürftigen zu vermeiden, fordern der Paritätische und die anderen Wohlfahrtsverbände ein eigenes Förderprogramm zur energetischen Sanierung für soziale Einrichtungen. So können die notwendigen Maßnahmen, wie z.B, eines Heizungstausch, von den Einrichtungen finanziert werden, ohne dass zusätzliche Kosten auf die Bewohner*innen umgelegt werden muss.
Volkmar Dornfeld ärgert es, dass eine umweltschonende Alternative am Geld scheitert: „Es tut mir wirklich weh zu sehen, dass einen Steinwurf entfernt die Wärme in die Luft geblasen wird.“ Den Bewohner*innen verhagelt das jedoch nicht die Laune. Aus dem nahegelegenen Pausenraum hört man die Chorgesänge gut gelaunter Senior*innen.