Sich zu erinnern bedeutet, sich zu entsinnen, sich zu besinnen oder sich etwas oder Jemanden ins Gedächtnis zu rufen. Egal auf welche Art und Weise wir uns erinnern, es gibt Ereignisse, die sich tief ins kollektive Gedächtnis gegraben haben. Eines dieser Ereignisse ist mit Sicherheit die Flutkatastrophe vom Juli 2021 im Ahrtal und der Region.
Es sind die Geschehnisse rund um 15. Juli 2021, an die wir uns erinnern. Es sind die Tage, an denen ein extremer Starkregen allein im Ahrtal 134 Menschen das Leben kostete, viele ihre Existenz verloren. Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Orte, Straßen und Plätze verwüstet. Menschen verletzt an Körper und Seele. Insgesamt sind es mehr als 180 Menschen, die durch die Flutkatastrophe 2021 ihr Leben verloren haben.
Wir erinnern uns auch an eine beispiellose Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die Mitgefühl und Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck brachte. Es war eine Zeit, in der Menschen über sich hinausgewachsen sind, wo sie halfen und unterstützten im Großen wie im Kleinen. Wo sich, neben der Arbeit lang etablierter Hilfsorganisationen - auch spontan neue Vereine und Organisationen gründeten, um die notwendige Hilfe, systematisch und einfach zugänglich zu organisieren.
Um die Arbeit der Helfer*innen und Organisationen vor Ort unterstützen zu können, hatte die „Aktion Deutschland Hilft – Bündnis deutscher Hilfsorganisationen e. V.“ (ADH) noch im Juli 2021 eine Spendenaktion auf den Weg gebracht. Mit dem Bündnis, dem 22 deutsche Hilfsorganisationen angeschlossen sind, konnte schnell und umfassend Hilfe initiiert und umgesetzt werden. Das Bündnis wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, bei Katastrophen und Notsituationen im Ausland gemeinsam humanitäre Hilfe zu leisten. In Ausnahmefällen, wie z. B. im Rahmen der Hochwasserkatastrophe 2021, wird das Bündnis auch im Inland tätig.
Zu diesem starken Bündnis gehört auch der Paritätische Gesamtverband. Er vertritt im Rahmen der Bündnisarbeit 10 seiner Mitgliedsorganisationen. Fünf der Organisationen sind dabei in der Hochwasserkatastrophe aktiv geworden: arche noVa, Bundesverband Rettungshunde, LandsAid, die Freunde der Erziehungskunst, und das Kinderhilfswerk Global Care.
Über die eingegangenen Spenden beim Hochwasser 2021 wurden darüber hinaus über den Paritätischen eine ganze Reihe gemeinnütziger Träger und Organisationen unterstützt. Sie konnten über die Spenden Notfall- und Investitionshilfen erhalten sowie verschiedene psychosoziale Hilfen und Maßnahmen anbieten und Projekte umsetzen. Gemeinsam mit seinen dem Bündnis angehörigen Organisationen, den in den betroffenen Gebieten ansässigen Landesverbänden Nordrhein-Westfahlen, Rheinland-Pfalz und Bayern und den vielen Trägern, Initiativen und Vereine konnten knapp 100 Vorhaben gefördert werden. Über diese Vorhaben konnte viel erreicht werden. Die Einsatzfelder der Träger, Initiativen und Vereine waren vielfältig. Während sich einige auf die Beratung der Betroffenen bei der Antragstellung von individueller Hilfe konzentrierten und dabei oft direkt von Tür zu Tür gingen, um die Bedarfe zu erfassen und eine zielgenaue Hilfe anbieten zu können, organisierten andere psychosoziale Angebote, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten und neue Zuversicht zu gewinnen. Wieder andere Helfer*innen packten einfach an, säuberten und räumten, schaufelten Schlamm oder entkernten sach- und fachgerecht Häuser, um sie für den Wiederaufbau vorzubereiten oder rissen ab, was nicht zu retten war. Andere Organisationen boten Treffpunkte an, stellten eine erste Versorgung sicher oder kümmerten sich um in Not geratenen Tiere. Alle Helfer*innen können sich mit Sicherheit an Menschen, Situationen und Geschichte erinnern, die unter die Haut gingen, die rührten, begeisterten oder erschütterten.
Die Flutkatastrophe jährt sich 2026 zum fünften Mal. Wer heute durch die Straßen und Orte der betroffenen Region fährt, kann sehen, was die Menschen vor Ort und die vielen Helfer*innen erreicht haben, welche Fortschritte es beim Wiederaufbau gibt. Zerstörte Straßen, Plätze und Häuser wurden repariert und renoviert. Viele sind in ihre Städte und Dörfer zurückgekehrt. Dennoch hat die Flut ihre Spuren hinterlassen. Noch immer gibt es zerstörte Häuser, ist die Erinnerung an die Flut allgegenwärtig. Das Ahrtal und seine Region haben sich verändert. Die Natur hat gezeigt, welche Kräfte sie zu entfalten vermag.
Die Erinnerungen an die Flut mahnt und verpflichtet zugleich, die Natur und ihre Kräfte nicht zu unterschätzen und entsprechende Vorkehrungen beispielsweise beim Hochwasser- oder Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zu treffen.
Wir erinnern uns aber auch an den Mut und Willen der Menschen vor Ort sowie den Einsatz der zahlreichen Helfenden. Ihnen gilt auch bei diesem Beitrag unser aller Dank.
Stellvertretend für die vielen Helfer*innen, den verschiedenen Hilfsorganisationen, Trägern und Vereine, die seit der Flut 2021 im Ahrtal und der Region tätig waren, wollen wir Ihnen am 5. Jahrestag der Katastrohe eine kleine Auswahl der Träger mit ihrer Arbeit vorstellen.